Achtzehn Rentner revolutionieren den Nahverkehr Hannoversche Allgemeine vom 27.6.2013

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Achtzehn Rentner revolutionieren den Nahverkehr

Not macht erfinderisch: In Rotenburg chauffieren Bürgerbusse die Einwohner durch die Gegend / Ehrenamtliche sitzen am Steuer.

 

Rotenburgs Bürgermeister Detlef Eichinger OL) testet mit Fahrgästen den Bus. Mit an Bord Ministerpräsident Stephan Weil (2. v. re.) und Eberhard Franz vom Bürgerbusverein (3. v. re.).

Rotenburg. Der Bus der Zukunft ist klein, wendig und rot. Er hat Platz für acht Fahrgäste, kommt im Stundentakt und am Steuer sitzt ein ehrenamtlicher Fahrer. Das Einzelticket kostet 1,85 Euro, im Viererblock nur noch 1,60 Euro. "So kann öffentlicher Nahverkehr in Zeiten zurückgehender Bevölkerung aussehen", sagt Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), als er sich am Mittwoch während seiner Sommerreise den Rotenburger Bürgerbus anschaut.

 Seit sechs Monaten fährt Bürgerbus "Robby" durch Rotenburg, weil ein echtes Stadtbusnetz mit mehreren Linien für die kleine Gemeinde finanziell nicht zu stemmen gewesen wäre, wie Bürgermeister Detlef Eichinger (parteilos) erläutert. Der Kleinbus bedient zwei alte Stadtbuslinien, und er kommt viel häufiger als diese, von denen die eine nur einmal, die andere höchstens dreimal täglieh fuhr. "Robby" ist acht Stunden am Tag unterwegs, vier am Vormittag, vier am Nachmittag. Es ist ein VW-Bus, der in Slowenien mit einem Aufbau versehen wurde. Auch Rollstuhlfahrer können den Niederfiurbus nutzen. 88000 Euro hat das Automobil gekostet, den Löwenanteil (64500 Euro) hat die Landesnahverkehrsgesellschaft bezahlt, 20000 Euro kamen vom Landkreis.

 "Ungefähr die Hälfte unserer Fahrgäste sind ältere Leute, viele sind auf Rollatoren angewiesen", sagt Fahrer Manfred Wiegmann. Er selbst ist auch schon Rentner - wie alle anderen 17 Fahrer des Bürgerbusses. "Ich chauffiere, um in Kontakt mit den Menschen zu bleiben", sagt er. Traudele Beyerle (62) ist erst seit ein paar Wochen Bürgerbusfahrerin. "Das zu machen war eine gute Entscheidung", sagt sie. "Einfach rumsitzen ist nichts für mich", schiebt die weißhaarige Frau mit einem Lächeln nach.

33 Bürgerbusse gibt es mittlerweile in Niedersachsen. Sie fahren da, wo der öffentliche Nahverkehr kaum oder gar nicht mehr anzutreffen ist - in Weyhe, Ganderkesee, Westerstede oder Bassum. Bürgerbusse gibt es meistens auf dem Lande. Stadtbusse wie in Rotenburg sind die Ausnahme. "Bürgerbusse sollen nicht ersetzen, sondern ergänzen", sagt Wolfgang Schmidt vom Landesverband Pro Bürgerbus.

 



 

   
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